Die Fußball-WM in Katar

Im Jahr 2022 findet die Fußball-Weltmeisterschaft zum zweiten Mal in der Geschichte nach 2002 auf dem asiatischen Kontinent statt. Gastgeber der Weltmeisterschaft ist Fußballzwerg und WM-Neuling Katar. Zwar wird die WM 2022 die letzte Weltmeisterschaft nach dem bekannten Modus mit 32 Nationen sein, dennoch hält sie eine ganz besondere Neuerung parat: Erstmals in der  Geschichte wird eine Fußball-Weltmeisterschaft im Winter stattfinden. Nachdem die hohen Temperaturen im Wüstenstaat für hitzige Debatten sorgten, beschloss die FIFA das Turnier zwischen dem 21.November und dem 18.Dezember 2022 stattfinden zu lassen. Mit gerade einmal 28 Tagen ist sie somit kürzer als alle bisherigen Weltmeisterschaften mit 32 Teilnehmern.

Gute Chancen für „Die Mannschaft“ den golden Pokal auch 2022 in Händen zu halten? 360b / Shutterstock.com

Ein Gastgeber ohne Fußballtradition

Bisher schaffte der Gastgeber Katar es nicht sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Sollte es 2018 in Russland erneut nicht klappen, ist man nach Japan der zweite Neuling, der eine WM austrägt. Die größten Erfolge der katarischen Nationalmannschaft waren zwei Viertelfinalteilnahmen bei der Asienmeisterschaft, zuletzt 2011 im eigenen Land. Da die nötige Infrastruktur weitestgehend fehlt, werden neun der zwölf Stadien, die Austragungsort der Spiele sein werden, neu gebaut. Die drei übrigen Stadien werden allesamt umgebaut. Fast alle Stadien bieten Platz für etwa 40.000 Zuschauer. Lediglich das Nationalstadion Khalifa International Stadium in Doha bietet nach dem Umbau etwa 60.000 Plätze und das Lusail Iconic Stadium in Lusail soll als Finalspielort über 80.000 Zuschauern Platz bieten. Der Golfstaat misst gerade einmal 180km von Norden nach Süden und 80km von Osten nach Westen. Es ist daher wenig verwunderlich, dass sich die Stadien auf wenige Städte beschränken. Fast die Hälfte, nämlich sieben Stadien, befinden sich in der Hauptstadt Doha und der Binnenstadt Al-Rayyan. Da dort im Sommer Temperaturen jenseits von 40 °C herrschen, beschloss man die Weltmeisterschaft erstmals im Winter auszutragen. Dann liegen die Temperaturen zumeist unter 20°C.

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Das Teilnehmerfeld

Kürzlich wurde von der FIFA einer Aufstockung der teilnehmenden Nationen für die Weltmeisterschaft 2026 beschlossen, folglich wird das Turnier in Katar die letzte Endrunde, nach dem inzwischen bekannten Muster mit 32 Teilnehmern sein. Außer dem Gastgeber ist keine andere Nation für das Turnier gesetzt, so dass sich auch der Weltmeister von 2018 qualifizieren muss. Die kontinentalen Qualifikationen beginnen in der Regel im Anschluss an die Europameisterschaft, also 2020. Die Qualifikationen werden allesamt in einer oder mehreren Gruppenphasen ausgetragen. In Südamerika spielen, aufgrund der geringen Nationenzahl, alles Mannschaften in einer Gruppe um die Qualifikation. In Europa führt der Weg in die Endrunde für die Gruppenzweiten der Qualifikation schließlich über Playoffs. Zusätzlich wird es zwei Relegationspartien zwischen Teilnehmern aus Südamerika, Ozeanien, Asien und Nord- bzw. Mittelamerika geben, in denen die letzten beiden heißbegehrten Startplätze vergeben werden. Europa ist mit 13 Startplätzen der mit Abstand am besten vertretene Kontinent. Es folgen Afrika und Asien mit jeweils fünf sicheren Plätzen, wobei Katar einer der asiatischen Plätze sicher ist. Seit einigen Jahren tritt Australien außerdem in der asiatischen Qualifikation an und ist dort stets einer der Favoriten. Südamerika hat vier sichere Plätze, Nord-, Mittelamerika und die Karibik drei. Ozeanien hat keinen einzigen sicheren Platz. Die verbleibenden zwei Plätze werden in den angesprochenen Relegationspartien vergeben.

Deutschland, der amtierende Weltmeister seit 2014. AGIF / Shutterstock.com

Die Vorrunde

Die 31 qualifizierten Teams sowie der Gastgeber aus Katar stehen dann zur Auslosung für die Vorrundengruppen. Die insgesamt 32 Nationen werden in acht Gruppen zu je vier Mannschaften gelost. Hierfür werden sie vorab auf vier verschiedene Lostöpfe verteilt. Die Aufteilung erfolgt zum einen aufgrund des Kontinents zum anderen aufgrund der Platzierung in der FIFA Weltrangliste. So wird einerseits verhindert, dass die Gruppen zu unausgeglichen werden und andererseits soll vermieden werden, dass beispielsweise vier europäische Teams in einer Gruppe spielen. Der Gastgeber ist zudem für das Eröffnungsspiel, welches am 21. November 2022 im Lusail Iconic Stadium stattfinden soll, gesetzt. In den Gruppen A bis H spielen schließlich alle vier Teams jeweils einmal gegeneinander. Nach drei Spieltagen kommen die zwei punktbesten Teams ins Achtelfinale. Bei Punktgleichheit zählt zunächst das bessere Torverhältnis und anschließend der direkte Vergleich, also wer im Duell der beiden punktgleichen Mannschaften als Sieger vom Platz gehen konnte. Nach der Vorrunde ist für die Hälfte der angetretenen Nationen Schluss und die Heimreise ist angesagt.

Die Endrunde

Die besten 16 Teams der Vorrunde erreichen schließlich die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft, die mit dem Achtelfinale beginnt. Ab sofort heißt es: „Verlieren verboten!“, denn jede Niederlage bedeutet nun das aus in der K.O.-Runde. Die Begegnungen des Achtelfinales sind durch die Gruppenauslosungen bereits weitestgehend vorgegeben. Es trifft immer ein Gruppensieger auf einen Gruppenzweiten. Mit der Gruppenauslosung wird bereits ein kompletter Turnierbaum erstellt, sodass keine neue Auslosung erfolgt. Manche Partien sind also von vornherein erst im Finale möglich. Nachdem die FIFA bei der Weltmeisterschaft 1998 und 2002 zeitweise das Golden Goal ausprobierte, kehrte man zur klassischen Verlängerung von zwei Mal 15 Minuten zurück. Dies wird auch bei der Weltmeisterschaft 2022 so praktiziert. Sollte es nach 120 Minuten noch immer keinen Sieger geben, entscheidet das Elfmeterschießen. In diesem Modus geht es dann über das Viertel- und das Halbfinale weiter, bis sich die beiden besten Mannschaften am 18.Dezember im Finale in Lusail gegenüberstehen. Die beiden Verlierer der Halbfinals tragen zuvor das Spiel um Platz drei aus. Am Ende steht der 22. Fußballweltmeister fest, dessen Kapitän kurz vor Weihnachten, den etwa 6 Kilogramm schweren goldenen Pokal in den katarischen Nachthimmel heben wird.

Eine WM fernab von Tradition und Menschenrechten?

Die Fußball-Weltmeisterschaft im Golfstaat Katar ist möglicherweise die umstrittenste WM aller Zeiten. Wie bereits angesprochen, sind die Temperaturen am persischen Golf im Sommer derart hoch, dass an eine Austragung im Sommer aufgrund der Spielergesundheit nicht zu denken ist. Die Verschiebung in den Winter birgt mehr als nur kleine Probleme, da fast alle nationalen Ligen auf Vereinsebene mitten in der Spielzeit stecken. Noch ist völlig unklar, ob diese unterbrochen werden, oder sich die Spieler, wie etwa beim Afrika-Cup, entscheiden müssen. In jedem Fall bringt es einiges durcheinander.

Der hochmoderne Flughafen in Doha.

Weitaus gravierender sind zudem die untragbaren Zustände auf katarischen Baustellen. Tausende Arbeiter, größtenteils aus Bangladesch, Pakistan, Indien oder Nepal werden dort ausgebeutet und getrieben wie moderne Sklaven. Die menschenrechtlichen Bedenken sind immens. Amnesty International mahnt an, dass Arbeiter zur Arbeit gezwungen würden. Da deren Pässe bei Arbeitsbeginn eingezogen würden, hätten sie keine Chance sich zu wehren. Einschätzungen zufolge verlieren etwa 1000 Menschen pro Jahr ihr Leben aufgrund der unwürdigen Arbeitsbedingungen. Dies führte bereits zu mehreren Boykottaufrufen aus Politik und Sport.

Auch die fehlende Fußballtradition ist ein häufiges Argument gegen die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Das Team rangiert (Stand Januar 2017) auf dem 85.Platz der FIFA Weltrangliste. Nahezu alle Stadien müssen neu gebaut werden, wobei bereits jetzt fraglich ist, ob alle 12 Stadien aufgrund massiver Kosten fertiggestellt werden können. Am kuriosesten ist dabei wohl der designierte Finalaustragungsort Lusail, denn dort ist nicht nur das Stadion im Bau sondern die gesamte Stadt. Noch ist an dem Ort, der einmal mehrere hunderttausend Einwohner beheimaten soll, vor allem eins: Wüste.

Nicht zuletzt wurden auch immer wieder Korruptionsvorwürfe im Zuge der WM-Vergabe gegen den Staat am persischen Golf laut, doch damit steht Katar ja bekanntlich nicht alleine dar. Zyniker könnten behaupten, das gehöre bei der FIFA ohnehin zum guten Ton.